Presseerklärungen 2010
16.04.10
bavAIRia-Vortragsveranstaltung: Ehrgeizige Projekte kennzeichnen die chinesische Luftfahrtindustrie
bavAIRia-Vortragsveranstaltung: Ehrgeizige Projekte kennzeichnen die
chinesische Luftfahrtindustrie
Auf Einladung des Bayerischen Clusters "Luft- und Raumfahrt", bavAIRia e.V.,
informierten zwei fachkundige Referenten im Rahmen einer Vortragsveranstaltung beim DLR in Oberpfaffenhofen zu "aktuellen Entwicklungen in der chinesischen Luftfahrtindustrie". Dave Deng und Dr. Andreas Szesny sind seit Jahren als Berater der Aerospace-Unternehmen in China tätig. Fachkundig stellten sie die Aufstellungen der staatlichen chinesischen Luftfahrtunternehmen vor und erläuterten deren geographische und technische Schwerpunkte. "In China gibt es das große Bedürfnis, gerade in der Luftfahrt Schlüsselprojekte mit modernster Technologie zu realisieren. Die erreichten Erfolge und das erworbene Wissen sollen dann auch auf andere
Industriebereiche übertragen werden," beschreibt Deng die Situation.
Schon zum zweiten Mal so betont der chinesische Ingenieur und Berater der
Luftfahrtindustrie, Dave Deng, sei er gerne nach Oberpfaffenhofen gekommen, um über die aktuellen Themen der chinesischen Luftfahrtindustrie zu informieren. Bei der aktuellen Veranstaltung ging es um eine Gesamtschau der chinesischen Aerospace-Industrie und die Vorstellung der wichtigen Unternehmen. Auch die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen wurden angesprochen und in vielen Gesprächen vertieft.
Für China hat die Luftfahrtindustrie eine große Bedeutung, nicht zuletzt durch den hohen Bedarf an neuen kommerziellen Flugzeugen, daneben gibt es zudem einen wachsenden Bedarf an Transportflugzeugen und Hubschraubern. Allein im Bereich der allgemeinen Luftfahrt wird der Bedarf an neuen Flugzeugsystemen in den kommenden 10 Jahren auf 5.000 Flugzeuge geschätzt. Insgesamt soll die Luftfahrtindustrie in China jährlich um etwa 13 % wachsen. Wie Dr. Andreas Szesny vorstellte, ist das Thema in zwei großen industriellen Komplexen unter der Führung des neuen Ministeriums für Industrie und Informationen untergebracht.
AVIC ist dabei der größere Industriekomplex, der nach der Aufteilung in zwei
Organisationsgruppen wieder zusammengeführt würde. Heute sind in AVIC über 200 Unternehmen und 36 Forschungseinrichtungen und sechs Universitäten zusammengefasst, die mehr als 400.000 Mitarbeiter beschäftigen. Zu den aktuellen Programmen gehören ein großen Militärtransporter und ein kommerzieller Frachter mit einer Kapazität von über 100 Tonnen Startgewicht. Dazu kommen Raketen, Flugzeuge für die Allgemeine Luftfahrt als auch weitere Aufgabenfelder.
COMAC ist der zweite industrielle Komplex, der erst im April 2008 gegründet wurde. In diesem Unternehmen sind die Schlüsselprojekte für die kommerzielle Luftfahrt, wie z.B. der Regionaljet ARJ 21, von dem gerade der vierte Prototyp seinen Jungfernflug feierte. Weiter arbeitet COMAC am Mittelstreckenjet C 919, der 2014 fliegen soll, und entwickelt das zukünftige Langstreckenflugzeug mit über 150 Sitzen, die C 929.
"Das C 919-Programm wird als politisch wichtigstes Programm mit nationaler
Bedeutung eingestuft und deswegen werden alle verfügbaren Ressourcen
bereitgestellt, damit das Projekt realisiert werden kann," erklärte Deng.
Er stellt anhand dieses Programms und weiterer aktueller Vorhaben die Aufstellung der chinesischen Luftfahrtindustrie vor. Dabei wurden an unterschiedlichen Standorten in China auch die Kompetenzzentren für unterschiedliche Bereiche der Flugzeugstruktur aufgebaut, wie der Referent an vielen Beispielen zu ordnen und Flugzeugstrukturteilen erläutern konnte.
Aufgrund der strategischen Bedeutung der Luftfahrtindustrie sei China weiterhin an einer intensiven Zusammenarbeit mit Europa und den USA interessiert, erläuterte Deng. Dabei sei bevorzugte Form der Zusammenarbeit die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens, dass der chinesischen Seite nicht nur die Möglichkeit gebe, die jeweilige Technologie intensiv kennen zu lernen, sondern gleichzeitig auch den Marktzugang sowohl in China als auch im Westen sichere. Für große Luftfahrtkonzerne könnte man sich in China auch die Auftragsfertigung vorstellen, die Form einer strategischen Partnerschaft sei die dritte Möglichkeit der vorgesehenen Formen der Zusammenarbeit.
Nach einer intensiven Diskussion, in der auch nach dem Marktzugang für
Dienstleistungsunternehmen gefragt wurde, gab es noch viele Einzelgespräche mit den beiden Referenten, in denen sich die Vertreter von bayerischen Unternehmen und Organisationen über einzelne Aspekte der Zusammenarbeit mit der chinesischen Luftfahrtindustrie informierten.
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