Presseerklärungen 2010
11.05.10
WIWeB erforscht neue Werkstoffe für die Bundeswehr
WIWeB erforscht neue Werkstoffe für die Bundeswehr
"Im Nibelungenlied hat die Tarnkappe wohl gut funktioniert. In der heutigen
Praxis sind wir aber noch ein Stück davon weg. Meister in der Tarnung ist
die Natur. Von ihr kann man lernen , wie man sich farblich und bezüglich
der Struktur an einen Hintergrund anpasst, erklärt Prof. Dr. Jürgen von
Czarnecki, Leiter des Geschäftsbereiches "Oberflächentechnologie,
Materialschutz, Ausrüstung Soldat" im Wehrwissenschaftlichen Institut für
Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) in Erding. Forschung setzt heute auf
Metamaterialien, Tarnung in den unterschiedlichsten Spektralbereichen,
Farbpigmente die in ihren Eigenschaften der Natur nachgebildet werden
und spezielle Druckmuster zum Zerreissen einer identifizierbaren
Silhouette. All dies macht Soldaten vor einem Hintergrund von Wald und
Wüste und im urbanen Bereich fast unsichtbar.
"Durch den Einsatz unserer Soldaten in Afghanistan rückt das Thema
"Ausrüstung der Bundeswehr" mehr und mehr in den Mittelpunkt. Aber wer weiß
schon, das sich 216 Mitarbeiter des WIWeb vor den Toren Erdings dieser
Aufgabe widmen?", fragt Dr.Wolfgang Griethe, Leiter der Münchener
Sektion der Deutschen Wehrtechnischen Gesellschaft (DWT). Anläßlich
einer gemeinsamen Defence-Informationsveranstaltung der Deutschen
Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. (DWT), Sektion München, und Defence
bavAIRia e.V. haben rund 50 Gäste das Wehrwissenschaftliche Institut für
Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) in Erding besucht und sich über "die
Rolle von F&T bei der Entwicklung von Bekleidung und der persönlichen
Ausrüstung von Soldaten" informiert.
Kernkompetenz des WIWeB sind generell alle Werkstofffragen. Im Bereich
Bekleidung und persönliche Ausrüstung der Soldaten liegt die spezielle
Verantwortung auf Tarnung durch Textilien, Simulation des
Trageverhaltens, Werterhaltung und Sicherheitstechnik. Damit verbunden
ist das Erstellen von Beschaffungsgrundlagen und die Leitung des
"virtuellen Kompetenzzentrums für Textilien". Herausforderung ist, dass
viele technische Eigenschaften gleichzeitig und miteinander erfüllt sein
müssen. Auf dem zivilen Markt lässt sich die erforderliche Ausrüstung in
den benötigten Mengen und der erforderlichen Qualität oft nicht beschaffen.
"Probleme machen uns hier auch das europäische Auschreibungsverfahren
und die Abwanderung der Textilindustrie nach Fernost", so Prof. von
Czarnecki.
Auch die "Vektorenschutzausrüstung" ist Thema im WIWeB. Hier werden
Textilien so behandelt, dass ihr Träger gegen die Übertragung von
Infektionskrankheiten durch z.B. Zecken und Stechmücken geschützt ist.
Die Imprägnierung von Bundeswehrkleidung erfolgt durch die Permethrin-
Ausrüstung. Mit dem Wirkstoff, eingebettet in eine Harzmatrix, gewähren
die Textilien hohen Schutz gegen Insekten. "Wichtig ist, dass die
Permethrin-Ausrüstung im Einsatz auch funktioniert. Getestet wird dies
durch 100mal Waschen unter harten Laborbedingungen", erklärt Prof. von
Czarnecki. Darüber hinaus geht es um den Funktions- und Werterhalt der
Ausrüstung durch den zugehörigen Materialschutz. Eine
Querschnittsaufgabe ist weiterhin die Chemikaliensicherheit sowie der
Arbeits- und Umweltschutz bei der Verwendung der Produkte.
Die Thermosimulation ist weiteres wichtiges Thema im WIWeB. Der
thermische Tragekomfort von Handschuhen und Schuhen wird in
Probantenversuchen und im Rahmen von Labortests bei
unterschiedlichsten Temperaturen getestet. Hieraus lassen sich quantitative
Tragekomfortprognosen und die Einsatzgrenzen für unterschiedliche
Handschuh- und Schuhsysteme ermitteln.
"Früher einmal waren Ritterrüstungen der beste Schutz. Das ist heute nicht
mehr praktikabel, Schutzausrüstungen müssen zusätzlich auch eine hohe
Mobilität erlauben", sagt Prof. von Czarnecki. Körperschutzwesten von
heute stützen sich auf Siliciumcarbid- und Borcarbid-Keramik sowie auf
Nanofasern. Die Nanotechnologie, Faserverbundwerkstoffe und
keramische Materialien für Hochtemperaturanwendungen und ballistischen
Schutz, spielen im WIWeB eine große Rolle. Die Materialien wirken
leistungssteigernd und kommen bei der Bekleidung im militärischen Bereich
zum Einsatz.
"Das Institut gehört seit 1959 zum Geschäftsbereich des Bundesamtes für
Wehrtechnik und Beschaffung (BWB). Zunächst als Materialprüfstelle der
Bundeswehr gegründet, hat sich die Einrichtung zu einem heute
anerkannten Forschungs- und Technologiezentrum gewandelt", sagt der
Direktor des WIWeB Prof. Peter Bartl. Unter anderem ist das WIWeB
zuständig für die sich aus dem Customer Product Management (CPM)
ergebenden Expertiseanforderungen zu Werkstoffen und Aufgaben der
Nachweisführung bei nationalen und internationalen Rüstungsprojekten. Im
WIWeB liegt weiterhin die Steuerung und Durchführung von technologie und
fähigkeitsorientierter Forschung- und Technologie (F&T) mit den
Schwerpunkten Werk- und Betriebsstoffe. Das WIWeB ist bundesweit die
einzige Einrichtung, die sich ausschließlich mit Produkten und Materialien
für den militärischen Nutzer befasst. Hierbei sind die Methoden der
zerstörungsfreien Werkstoffprüfung, die eine frühzeitige Detektion
beginnender Schäden auch an im Einsatz befindlichem Wehrmaterial
ermöglichen, von großer Bedeutung. Im Rahmen der Funktionssicherheit
erstellt das WIWeB auch Sicherheitsanalysen, wenn von chemischen
Komponenten ausgehende Gefahren zu beurteilen sind. Zu den
erwähnenswerten Kernkompetenzen des Instituts gehören auch Schweiß und
Klebetechniken sowie die numerische Simulation von Bauteilverhalten.
Schließlich sei hervorgehoben, daß das Kompetenzzentrum WIWeB im
letzten Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feierte.
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