ARGE- und Mitgliederversammlung
"Die Herausforderungen sind enorm. Aber es besteht berechtigter Grund zu
Optimismus". Damit eröffnete Staatssekretärin Katja Hessel die jährliche
Sitzung der "Arbeitsgemeinschaft Luftfahrt, Raumfahrt, Satellitennavigation
in Bayern" am Dienstag im Festsaal des Bayerischen Wirtschaftministeriums
in München. Mit 60.000 Beschäftigten, einem Umsatz von über 6,5 Mrd. Euro,
20 Forschungseinrichtungen und einem FuE-Anteil von bis zu 19 % sei
Bayern in der Luft- und Raumfahrt der führende Standort in Deutschland.
"Der Wettbewerb wird härter, die Zuliefermärkte werden globaler. Dennoch ist
in der Luft- und Raumfahrt in Bayern allerorten Aufbruchstimmung zu
spüren", so Hessel. Belege hierfür seien u.a. Erfolge im Ariane 5 Programm,
das Institut für Robotik und Mechatronik in Oberpfaffenhofen oder auch das
Anwendungszentrum AZO als erster deutscher Inkubator, mit dem bis zu 40
Unternehmensneugründungen im Rahmen des ESA-BIC unterstützt werden.
Vernetzung der Industrie und Vernetzung zwischen Industrie und Forschung
unterstützt die bayerische Staatsregierung mit der Clusteroffensive Bayern.
Für 19 zentrale Wirtschaftsbereiche werden sogenannte Cluster gefördert.
"bavAIRia e. V." wurde vom bayerischen Wirtschaftsministerium mit dem
Management der Zwillingscluster "Luft- und Raumfahrt" sowie
"Satellitennavigation" beauftragt.
"Die ARGE-Versammlung ist im Jahreslauf die größte und wichtigste Sitzung
der Branche in Bayer", so Dr. Martin Haunschild, Moderator und
Clustersprecher für Luftfahrt, Raumfahrt und Satellitennavigation in Bayern
und Vorsitzender von bavAIRia. "Das Potenzial der ARGE und von bavAIRia
als Organisation zum Management der Cluster ist hoch. Auf zahlreichen
Feldern konnten wir Verbesserungen erreichen und Prozesse optimieren",
zog Haunschild Bilanz.
bavAIRia verfügt über ein Netzwerk aus Unternehmen, Hochschulen und
Forschungseinrichtungen mit derzeit 156 Mitgliedern. In den Kernbereichen
Technologie, Networking, Human Resources, Marketing, Business Model und
Internationalisierung ist bavAIRia tätig, um die Wettbewerbsfähigkeit national
und international zu unterstützen. Dazu gehört die Begleitung von
Technologieprojekten von der Partnersuche, Identifizierung von
Förderprogrammen bis zur Prozessunterstützung.
Dem Thema Ingenieur- und Fachkräftemangel begegnet bavAIRia mit
Initiativen in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Bundeswehr und
Wirtschaft (AkBwW) in Form von Recruiting Days, durch Portale wie
Jobcluster und Skyfuture, durch eine verstärkte Ausweitung der Galileo-
Roadshow für Hochschulen und die Mitgestaltung von Studienprogrammen.
Haunschild: "Information ist hier notwendig, denn wir brauchen die besten
Fachkräfte".
Im Marketing steht ein gemeinsames Auftreten in der Öffentlichkeit im
Vordergrund - z.B. durch den bavAIRia Showroom am Münchner Flughafen
oder durch Gemeinschaftsstände auf Fachmessen wie der ILA, wo sich 18
kleinere und mittlere Unternehmen auf dem ISC-Stand von bavAIRia
präsentiert haben. Weiter durch Clusterbroschüren, Internetauftritt und
Pressearbeit.
In einem weiteren Vortrag der ARGE-Jahrestagung thematisierte Dr. Walther
Otremba, Staatssekretär des Bundesministeriums für Verteidigung "Aktuelle
Herausforderungen für die Material- und Ausrüstungsplanung der
Bundeswehr". So bleibe der Verteidigungsetat der Bundeswehr von
Einschränkungen nicht verschont. Eine Einsparung von 13 bis 14 Mrd. Euro
sei bis 2014 zu erwarten. Dies mache Eingriffe in Strukturen nötig und führe
zu einer umfassenden Neugestaltung der Bundeswehr, so Otremba. Beim
Materialbedarf der Bundeswehr sei ein Einsparpotential von bis zu einer Mrd.
Euro zu erwarten. Nicht nur der "Tiger" und Stückzahlen beim Eurofighter
stehen auf dem Prüfstand. Als wichtiges Thema betonte Otremba die
Luftaufklärung durch UAV und hob hier die Rolle des wehrtechnischen
Mittelstandes hervor. Auch in Zeiten knapper werdender Budgets sei
Optimismus dennoch nicht fehl am Platz. Es gelte durch Zusammenarbeit mit
der Industrie die Prozesse zu verbessern und Exportmöglichkeiten zu
erleichtern, stellte Otremba fest.
Paul Verhoef, Galileo Programm Direktor der Europäischen Kommission in
Brüssel gab einen Überblick über den Stand des europäischen GNSS
Programms: Galileo befinde sich auf dem Weg von der Entwicklungs- zur
Aufbauphase. Das Potential sei nicht zu unterschätzen - die Gefahr der
Abhängigkeit allerdings auch nicht. Der weltweite GNSS-Markt für zivile
Anwendungen belaufe sich auf rund 236 Mrd. Euro ab dem Jahr 2025 -
wohlgemerkt pro Jahr. Zwischen 2010 und 2013 werde die Europäische
Kommission 24 Maßnahmen für GNSS-Anwendungen implementieren. Mit
zunehmender Nutzung von GNSS steige aber auch die Abhängigkeit von
Satellitennavigationsdiensten. Europa müsse nun handeln, stellte Verhoeft
fest.
Einen Überblick über Fördermöglichkeiten gab Peter Bentzinger,
Projektträger Luftfahrtforschung, in seinem Vortrag "LuFo und die
Perspektiven für den bayerischen Luftfahrtstandort". Seit 1997 seien mehr
als 110 Einzelvorhaben in 70 Verbünden gefördert worden. Auch kleine
Unternehmen mit guten Ideen und Konzepten haben zusammen mit ihren
Partnern gute Chancen auf Förderung, bekräftigte Benzinger.
